Adela Schwarzer sucht bis heute ihre Brüder und ihre Schwestern ...

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Adela Schwarzer
Adela Schwarzer, 1923 - 2005.
1940 und 1946.
Updated September 2007 in English and Swedish

- sie hat sie das letzte Mal im Getto in Rzeszów im Frühling im Jahre 1942 gesehen

Adela Schwarzer, zur Zeit wohnhaft in Schweden scheint das einzige Mitglied ihrer nächsten Familie zu sein, das vom Holocaust gerettet worden ist. Sie hat sieben nazistischen Zwangsarbeitslager überstanden und auf der letzten Etappe – in Bergen-Belsen – hat man sie sterbend auf dem Haufen der toten Leichname gefunden. Sie hat damals 23 Kilos gewogen. Adela ist der Meinung, dass der starke Wille ihre Familie wiedersehen zu können, ihr die Kraft zur Überstehung der Hölle gegeben hat. Ihre Suche nach dem Geschwister, die schon nach dem Krieg vorgenommen worden ist, hat zu keinem Ergebnis geführt – aber man hat bisher noch nicht die ganze Art und Weise ausprobiert. Das Ziel der Suche ist das Wiederfinden irgendwelcher Spur, irgendwelcher Information über das Schicksal ihrer vier Schwestern und zwei Brüder.

Die Familie Schwarzer in Krakau der Vorkriegszeit

Die Geschichte von Adela führt ins Ghetto in Rzeszów, aber fängt schon in Krakau an, wo sie im Jahre 1923 in der Soltyka - Straße Nr. 13 geboren wurde. Ihre beiden Eltern stammten aus Cieszanów, einer kleinen Stadt in der Nähe der gegenwärtigen Grenze an die Ukraine, wohin sie aus Krakau umgezogen sind. Der Vater, Mechel Schwarzer (geb. 1888; stehend auch als Mechel Schwarz in der Bevölkerungsevidenz der Stadt Krakau vom Jahre 1921), hat sich im Jahre 1912 in Krakau angesiedelt, und die Mutter, Malka Beila Tennenbaum (geb. 1890) ist hierher im Jahre 1917 gezogen. Höchstwahrscheinlich ist sie hierher samt ihrem Vater Mendel Tennenbaum (geb. 1846) umgezogen.

Mechel Scwarzer
Malka Beila Tennenbaum Schwarzer
Mechel Schwarzer
geb. 1888
Malka Beila Tennenbaum
geb. 1890

Adela kann sich noch an ihren Großvater Mendel erinnern, als er ihr die Geschichte von seiner Zuflucht auf einem weißen Pferd aus Cieszanów erzählt hatte. Es sei denn, dass er vor der Revolte, die gegenüber den Landsbesitzern durch die russische Revolution angezettelt worden war, fliehen wollte. Der Schock im Jahre 1917 war so groß, dass Mendel später immer noch „auf einem weißen Pferd“ ... schlaflos durch die Nacht hindurch wegrannte.

Sie erinnert sich auch an den frommen Onkel, den Bruder von Mechel, der zu ihnen zu Besuch nach Krakau aus Grodzisko Dolne gekommen ist. Er hat darauf geachtet, dass die Töpfe dementsprechend durch die bis Rotglut erhitzten Steine kaserniert wurden.

In Krakau hat auch die Familie Schwarzer in der Miodowa -Straße Nr. 32 (gegen 1918 – 1922) als auch in der Wielicka -Straße 13 (? – 1940) gewohnt. Es ist auch bemerkenswert, dass die Miodowa - Straße die Grenze des jüdischen Stadtteils gebildet hat, dagegen die Soltyka - Straße, die sich näher des Zentrums von Krakau befindet – das Hinterland der medizinischen Kliniken der Jagiellonischen Universität – einen Schritt auf dem Weg von der Familie Schwarzer in Bezug auf die Assimilation und den gesellschaftlichen Aufstieg bedeutet hat. Der Umzug nach Podgórze in den Jahren, die dem II – ten Weltkrieg vorangegangen sind, könnte die Verarmung der Familie bedeuten.

Sie waren ärmlich, aber sie waren auch gastfreundlich und gegenüber den Bedürfnissen der anderen offen: am Anfang des Krieges hat mit ihnen die Tochter von Mendel, aus seiner früheren Ehe, Chaja Tennenbaum samt den Söhnen Haskel und Józef, gespeist. Sie haben hier eine Zeitlang gewohnt, obwohl für zwölf Personen der Lebensraum von einem Zimmer mit der Küche gebildet worden ist. Das nicht mehr bestehende Haus hat dort gestanden, wo sich heute die Kreuzung der Wielicka -Straße mit der Allee Powstanców Slaskich befindet, am Fuß des Fortes des heiligen Benediktus, ganz in der Nähe der Figur, die den Vater Gott versinnlicht. Die Sehnsucht nach dem Berg, der mit der Wiese bedeckt ist, auf der sie vor dem Haus hinter den Schmetterlingen samt anderen Kindern nachgelaufen ist, steckt in ihrem Herzen bis heute immer noch, wobei von einem dünnen Strahl die Dunkelheit der Erinnerungen beleuchtet wird.

Mechel Schwarzer war Kaufmann und hat mit einem Handelsagenten, der Chaim Abend hieß und auf dem Hauptmarkt 11 wohnte, zusammengearbeitet. Sie haben ein Geschäft mit den Möbeln und den Antiquitäten in der Mostowa - Straße 2 im Kazimierz - Stadtteil geführt (in demselben Hause hatte die Gesellschaft Nossei Massu für die Unterstützung der Witwen und der Waisen ihren Sitz und ihr Gebethaus). Ihre Arbeit hat auch auf der Renovierung der alten Möbeln beruht. Chaim und Mechel haben noch drei Personen eingestellt: den Tischler, den Tapezierer und die Verkäuferin, die Gusta Schwarzer war, die älteste Schwester von Adela. Mechel ist oft dienstlich nach Katowice und Jaroslaw verreist. Chaim Abend mit seiner Frau Mania (beide stammten aus Jaroslaw) haben oft die Zeit mit der Familie Schwarzer in der Wielicka - Straße verbracht, weil sie die Kinder sehr gemocht haben und keine eigenen hatten.

Malka Beila Tennenbaum-Schwarzer war die Tochter von Adela Feder, der dritten Ehefrau von Mendel Tennenbaum. Mechel Schwarzer war der Sohn von Izak und Gitla. Er hatte eine Schwester Bronia und zwei Brüder von den unbekannten Vornamen. Mendel ist im September 1939 gestorben und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Podgórze bestattet (im Jahre 1942 wurde er von den Nazis ganz und gar zerstört und geschändet und sein Gebiet wurde von den Nazis zu einem Zwangsarbeitslager in Plaszów verwandelt und alle Stelen wurden zu diesem Zweck als Baumaterial verwendet).

Wenn es sich um die Familien der Großeltern von Adela handelt: man hat von einem der Brüder von Mechel erzählt, dass er nach Amerika ausgereist wäre. Adela kann sich an seinen Vornamen nicht erinnern, aber wenn man in der Datenbasis Ellis Island herumwühlt, lässt es sich nicht ausschliessen, dass es sich um einen Juda Swarccher handeln würde, der (wie wir dieser Basis entnehmen könnten), nachdem er Krakau verlassen haben sollte, mit seiner Familie – Chana, Elka, Ester, Motel, Sosche und Laser – am Schiff „Finland“ New York im Jahre 1905 erreicht haben sollte (der Zielhafen war Toronto in Kanada).

Bronia Schwarzer (die eine Brautwerberin war) hatte einen Liebermann geheiratet. Einer ihrer Söhne war Henryk Liebermann, der Maler, der Lusia Steinfeld geheiratet hatte und sich im Israel mit ihr niedergelassen hatte. Einer der Enkelkinder von Mendel Tennenbaum, der Sohn vom Halbbruder von Malka Beila und zugleich der Cousin von Adela – Leibek (Leon) Erez-Tennenbaum – war der Chef eines grossen Delikatessenladens „Fromowic“. Der Laden, gelegen nicht weit von Kazimierz, hat die Ware aus der ganzen Welt bezogen. Im Jahre 1972 hat Leibek noch gelebt und hat im Israel gewohnt. Seine Frau das war Bina und seine Söhne das waren: Gerszon und Mordechaj. Sein Bruder Izak Tennenbaum hat vor dem II – ten Weltkrieg geheiratet und ist in die Vereinigten Staaten weggereist, wo er eine Schokoladenfabrik gehabt hatte (aber bald ist er gestorben).

Und hier sind die Geschwister von Adela: IZAK Schwarzer (geb. 1919), GUSTA Schwarzer (geb. 1921), HELENA Schwarzer (geb. 1925), REGINA Schwarzer (geb. 1926), SAMUEL Schwarzer (geb. 1928), AMALIA Schwarzer (geb. 1930). (Ihre Photos wurden auf der Rückseite des Werbeblattes angebracht).

Izak war Automechaniker, Gusta war Verkäuferin im Laden von Mechel, Kelena war Schneiderin: den Beruf hat sie in einer mittleren Berufsschule der jüdischen Gesellschaft „Ognisko Pracy“ (Skawinska Boczna - Straße 7) erlernt. Amalia wurde in einem jüdischen Krankenhaus in der Skawinska Boczna - Straße 8 geboren. Nach der Geburt war sie so schwach, dass die Ärzte gesagt haben sollten, dass sie nicht überleben würde, aber als Adela ihre jüngste Schwester gesehen hatte, war sie damals schon eine Teenagerin.

Adela hat die polnische Grundschule - „Szkola Ludowa“ /die Volksschule/ besucht, die sich in der Nähe ihres Hauses in der Wielicka Strasse befand. Später hat sie den Beruf im Geschäft einer Hutmacherin (einer Hela) in der Florianska -Strasse 47 gelernt. Eines Tages sollte sie die Hüte in den dreißiger Jahren in die Nähe der Universität zuliefern. Sie weiß das noch heute, wenn die Studenten nach ihr gelaufen sind und geschrieen haben: „Juden nach Palästina raus ! Fangt die Jüdin!“

Die Familie Schwarzer unter der nazistischen Okkupation
in Krakau

Samt der deutschen Okkupation (die in Krakau am 6-ten September 1939 angefangen hat), hat man gegenüber den jüdischen Einwohnern viele Restriktionen verwendet, die sich unter anderem auf die Fortbewegung an den bestimmten Stellen von Krakau bezogen haben. Das Geschäft der Hutmacherin in der Florianska - Strasse wurde geschlossen.

Einmal als Mechel diese verbotene Zone betrat, wurde er heftig geschlagen und man hat ihm alle Wertgegenstände weggenommen. Kurz danach, im November 1939 haben die Krakauer Juden den Befehl erhalten – der unter der Todesstrafe besagte – dass sie die weißen Armbinden mit dem blauen Davidsstern tragen mussten.

Adela kann sich noch daran gut erinnern, dass alle Einwohner von Krakau sich seit vier Uhr morgen früh nach dem Brot während des größten Teil des Tages anstellen mussten. Die Nazis mussten an die Schlange mit den Hunden herangehen, um aus der Schlange die Juden rauszuschmeissen. Adela wurde selbst nicht ein Mal aus der Schlange von ihnen weggezogen, mit dem Fuß gestoßen und mit einem Stab geschlagen.

Viele Male hat man Adela zu einer Zwangsarbeit genommen, wie z.B. zum Waschen, zum Aufräumen, zum Holzschlagen, für die Schutzpolizei, die in der Robotnicza - Straße – in der Nähe des Hauses der Familie Schwarzer stationiert hat. Eines Tages (noch am Ende des Jahres 1939) haben die Nazis Adela in ihrem Lager länger als üblich aufgehalten. Ihr Vater Mechel hat das gewusst und deswegen aufgeregt – er hat befürchtet, dass seine Tochter vergewaltigt wurde. Aber Mechel besaß jedoch die sogenannte Konversationsgabe – somit ist er auf die Polizeistation gegangen und hat den Deutschen ganz nett angesprochen und ist reingelassen worden. Das Gesprächsthema der Konversation war das heruntergegangene Geschäft – ein kleiner Fotoladen, den der Deutsche in seiner Heimat geführt haben sollte. Der Deutsche hat sich bei Mechel für das Aufhalten der Adela in der Arbeit entschuldigt und hat sie losgelassen.

Im Winter 1939 wurde Mechel Schwarzer von den Nazis gezwungen nach Rzeszów auszuwandern. Seine Familie hat sich auf dem Gebiet der jüdischen Gemeinde in Krakau noch im August und im September 1940 aufgehalten (es haben sich noch die Protokolle der Registrierung von Adela und Helena vom 28-sten August und von Izak vom 8-ten September bewahrt, die im Jüdischen Institut für Geschichte in Warschau, siehe S. 2, aufbewahrt werden). Die Zeugen, die auf den Protokollen von Adela und Helena unterzeichnet wurden, das ist Maria Rosen, die in der Tarnowska - Strasse 13 gewohnt hat und Sala Tenenbaum, die in der Kalwaryjska - Strasse 43 gewohnt hat; der Zeuge von Izak war Adela.

Im nächsten Jahr, auf der nacheinanderfolgenden Etappe der „Sanierung der alten deutschen Stadt Krakau“ wurden die Schwarzer aus dem Haus in der Wielicka - Strasse rausgeschmissen. Sie durften nur soviel mitnehmen, was in ihren Händen Platz gefunden hatte; der Rest der Sachen war in ihrer Wohnung geblieben. Dort ist auch der Sohn ihrer Dienerin Anna Urbaniak – der Roman geblieben. Und hier ist die Erinnerung an den Abschied von dem Familienhaus, die im Adelas Herz geblieben ist: Die polnischen Nachbarn stoßen mit den Füßen auf ihre spärlichen Bündel und schreien: “Raus nach Palästina !“

Adela wurde mit ihrer Mutter und mit ihren Schwestern mit dem deutschen Transport nach Rzeszów befördert und dort wurden sie Mechel angeschlossen. Später hat Regina die Spaziergänge zu Fuß in ihr krakauer Haus gemacht, um die Kleider und die anderen nötigen Sachen mitnehmen zu können. Dank der Dienerin der Familie Schwarzer, Anna Urbaniak, hat Adela die Familienfotos nach dem II – ten Weltkrieg wiedergewonnen, die ihr Anna nach Schweden geschickt hat...

Im okkupierten Rzeszów – bis zur Zeit der Liquidation des Gettos

In Rzeszów hat die Familie in der Galezowskiego - Straße 14 gewohnt (in einstöckigen Häusern, die die Deutschen später abreißen ließen), mit einer anderen jüdischen Familie, die aus vier Personen bestand – insgesamt waren es dreizehn Personen in einem Zimmer mit einer Küche. Die Eltern Adelas sind im Mai 1941 gestorben – Malka an Herzinsuffizienz am 27-sten Mai, Mechel an Typhus am 29-sten Mai (vergleiche die einmaligen jüdischen Sterbeurkunden und das Staatsarchiv und das Standesamt in Rzeszów). Vielleicht wäre es möglich ihre Begrabungsstätte auf dem neuen jüdischen Friedhof auf Czekaj zu identifizieren, weil die Nummern der Lokalisierung bekannt sind, aber man kann die Friedhofskarte nicht finden. Und eine große Anzahl der Stelen ist von den Nazis zum Bau der Chopinstraße verwendet worden...

Die Kinder sind in die Szpitalna - Straße 1 befördert worden und bald ist ein Teil davon zu dem „kleineren Getto“ geworden (das Getto sollte zuerst liquidiert werden). Adela kann sich noch gut daran erinnern, wenn die deutschen Okkupanten zum Markt Freitags mit den Hunden hierher gekommen sind. Ihre Aufgabe hat darauf beruht, einige Juden fangen zu können, um die Stadt „zu sanieren“, aber sie haben keinen Mut gehabt, ihre Opfer auszuwählen: die Auswahl ist den Hunden überlassen worden. Ein Jude, nach dem der Hund geschnüffelt hat, ist zum Tode verurteilt worden.

Wie man der Geschichte des Holocaust von Rzeszów entnehmen kann, haben die Nazis das Getto am 10-ten Januar 1942 zugemacht; in seinen Mauern haben 12,5 Tausend der Juden aus Rzeszów gewohnt, zu denen im Juni die ähnliche Anzahl der Juden aus der benachbarten Gegend angeschlossen worden ist. Die 19-jährige Adela ist der Gruppe der Zwangsarbeit angeschlossen worden, die auf der Bahnhofstation in Rzeszów gearbeitet hat. Die Arbeit von Adela hat auf der Ausladung der Güterwagen mit Kohle, mit Holz und mit Sand beruht. Sie hat auch die Gräben (höchstwahrscheinlich für die Luftabwehr bestimmt) geschaufelt, wobei sie dabei einer hochgestellten Jüdin, der Professorin, geholfen hat, die dieser Arbeit nicht gewachsen sein konnte.

Im Frühling 1942 ist Adela mit ihrer Gruppe zur Arbeit in einen Arbeitslager nach Biesiadka geschickt worden. SIE HAT IHRE BRÜDER UND IHRE SCHWESTERN NICHT MEHR GESEHEN. Doch irgendwelche Spur der Hoffnung hat immer in ihrem Herzen geflammt, denn die Frauen, die aus dem Arbeitslager in Rzeszów nach Czestochowa gebracht worden sind, ihr gesagt haben sollten, als ob hätten sie gesehen, dass sich ihre jüngste Schwester Amalia vor den Deutschen in einem Müllkasten während der Deportation versteckt haben sollte.

Das, was sich in Rzeszów im Laufe der nächsten Monate ereignet haben sollte, wäre der Kulminationspunkt dieser Geschichte, denn eben dann seien die Schicksale der uns bekannten Geschwister Schwarzer entschieden worden.

Verschiedenen Quellen kann man verschiedene Zahlen und Orte der Extermination entnehmen. Unten hat man die Angaben dargestellt, die mit allen Quellen übereinstimmen sollten. Die Juden aus Rzeszów als auch die, die ins Getto nach Rzeszów aus den nächst gelegenen Gegenden gebracht worden sind, sind nach einigen Deportationen ermordet worden, die im Juli 1942 angefangen haben (6 – 7 Juli – das sogenannte kleinere, das heisst das südliche Getto; am Donnerstag, 10 Juli; am Montag, 14 Juli – Kopernika - Strasse, Tannenbaum - Strasse, die älteren Leute als auch die Patienten des jüdischen Krankenhauses; am Freitag, 19 Juli).

Alle Deportierten hat man jedes Mal zu Fuß zur Bahnhofstation nach Staroniw geführt. Von hier aus sind sie mit dem Zug nach zwei Orten geschickt: sie sind im Vernichtungslager in Belzec oder im Wald in der Nähe von Glogów Malopolski ermordet (manche Quellen geben den Wald in Rudna an).

Die Gedenktafel, die an die Opfer des Vernichtungslagers in Belzec erinnert, ein Fragment der Neuen Gedenkstätte, die in Belzec am dritten Juni 2004 eröffnet wurde.

Die geschätzte Anzahl der Juden aus Rzeszów, die in Belzec während der Aktion im Juli ermordet worden sind, beträgt 14 000.

In seinem außergewöhnlichen Tagebuch gibt Stanislaw Kotula an, dass der Wald von Glogów eine Exterminationsstelle vor allem für die älteren und die kränklichen Juden war. Die Zahl, von der die Rede ist, schwankt von 2 bis 6 Tausend. Am 7-ten August hat man die übrigen Frauen und Kinder heimtückisch zusammengesammelt und nach Pelkinia und später nach Belzec geschickt (über 1000 Personen).

Am 15-ten November 1942 sind 2000 Juden nach der Deportation aus dem Getto in Rzeszów nach Belzec ums Leben gekommen. Zirka 3000 Juden sind im Getto geblieben, das jetzt in Getto A – in östlicher Richtung von der Baldachowska -Straße, mit den Zwangsarbeitern und Getto B – in westlicher Richtung von der Baldachowska - Straße geteilt wurde, das das Schmelzgetto („topniejace getto“) genannt wurde, das heißt das Getto, das für die Juden, die zum Tode verurteilt worden sind, bestimmt worden ist. Alle diese Juden sind in den Konzentrationslager nach Brzezinka (Birkenau) gebracht worden und sind in den Gaskammern im September 1943 ums Leben gekommen. Im Zeitraum vom September 1943 und Juli 1944 sind auch die Häftlinge der Zwangsarbeit aus dem Getto in Rzeszów in den Konzentrationslager nach Oswiecim (Auschwitz) geschickt worden, manchen ist es gelungen zu entkommen und sich bis zur Zeit der Befreiung zu verstecken, manche haben den Konzentrationslager in Oswiecim überlebt. Eine Gruppe, nachdem man sie in den Lager der Zwangsarbeit nach Szczebnie ausgeführt hat, hat man im September 1943 in den Wäldern in Dobrucowa erschossen.

Die Kenntnis der Geschichte erlaubt eine Hypothese aufzustellen, dass die ältesten der Geschwister, wie Adela, in den Lager der Zwangsarbeit gelangen konnten, was für sie eine größere Überlebungschance sein könnte. Insbesondere haben sich in der letzten Gruppe aus dem Getto A gelungene Fluchten ereignet. Es könnte möglich sein, dass ein Kind geflüchtet wäre oder sich irgendwo versteckt hätte - die Welt hat doch schon viele solche wunderschöne Geschichten gehört ...

Und ob Izak, Gusta, Helena, Regina und die Jüngsten, Samuel (der im Jahre 1942 - 14 Jahre alt war) als auch Amalia (die damals 12 Jahre alt war) – mehr Glück als die 6 Millionen der Juden, die während der Vernichtung ermordet worden sind, haben könnten ?

Der Bericht von Adela zum Thema ihrer Arbeit in den Zwangsarbeitslagern der Nazis

Im Lager in Biesiadka war Adela einer der Häftlinge, dem befohlen wurde, die Bäume zu fällen. Adela erwähnt: „Mein Vorgesetzter war ein kleiner dicker Deutsche, der immer eine zivile Kleidung anhatte und einen grünen Hut mit einer kleinen Feder aufhatte. Als wir in den Lager angekommen waren, hatten wir eine ganze Menge vom Ungeziefer gesehen. Bald waren unsere Körper mit diesem Ungeziefer bedeckt. Um überleben zu können, mussten wir so was, wie eine Art Kartoffelsuppe essen, die eine ganze Menge vom Sand enthalten hat. Wir wurden von den Volksdeutschen überwacht, es waren - ein Pole und ein Ukrainer. Wenn wir uns aufrichten wollten, wurden wir mit einem Stock geschlagen. Ein Mal, als ich in Ohnmacht gefallen war, musste ich auf dem Boden so lange bleiben, bis ich alleine wieder zum Bewusstsein gekommen war. Niemand durfte mir helfen. Viele Male habe ich gesehen, wenn die Kranken gezwungen waren, ihre eigenen Grabstätten zu graben, bevor man sie erschossen hat...“

Seit Februar 1943 ist Adela im Lager der Zwangsarbeit in Huta Komorowska geblieben. „Hier musste ich auch die Bäume fällen. Ich habe keine entsprechende Kleidung angehabt und so waren meine Hände durchfroren. Wir haben dank den Abfällen aus dem Müll, dank den Kartoffelschalen, usw. gelebt. Die Baracken waren voll vom Ungeziefer – wir haben darunter tags – und nachtsüber gelitten, der Kampf mit dem Ungeziefer war wirklich erschöpfend. Es gab keine Pritschen – wir haben auf einem sehr kalten Boden geschlafen. Ich erkrankte an Typhus. Immerhin war ich noch krank und man hat mich wie immer gezwungen, eine schwere physische Arbeit zu machen. Das Essen war schrecklich. In der Nacht mussten wir stundenlang in Achtungsstellung vor den Baracken stehen. Kapo hat uns dann gedroht, dass er uns erschiessen oder zurück (ins Getto) schicken wird. Er hat uns mit dem Revolver geschlagen...“

Danach ist Adela in den Lager nach Plaszów geschickt worden. Die Häftlinge haben nummerierte Uniforme getragen. Ihre Arbeit hat auf dem Annähen der Knöpfe an hitlerische Militäruniformen beruht. Der nächste Lager – seit Oktober 1943 – war Skarzysko-Kamienna, wo die Häftlinge in einer Munitionsfabrik arbeiten mussten. Adela war gezwungen, die Arbeit mit einer Bohrmaschine in der 12-Stundenschicht auszuüben. Die Arbeit war sehr anstrengend und aus diesem Grunde passierte es ein Mal, dass sie bei der Maschine eingeschlafen war. Sie wurde von einer Volksdeutschen wachgemacht, indem sie ihr auf ihren Kopf einen Eimer voll Wasser ausgeschüttet hatte. Das Essen haben sie nur ein Mal pro Tag bekommen und während des Essens mussten sie bei den Maschinen stehen. Während der Arbeit wurde Adela durch eine Bohrmaschine schwer verletzt. Sie musste operiert werden; infolge des ganzen Ereignisses ist es zu einer Blutinfektion gekommen. Die Wunde wurde nach der Operation nicht zugenäht, infolge dessen ist ein Finger bis heute teilweise steif.

Seit September 1944 hat Adela in Czestochowa in der nächsten Munitionsfabrik gearbeitet. Der Vorgesetzte ihrer Schicht war der Deutsche, ein Winter. Sie wurde mehrmals geschlagen. „Man hat mich geschlagen, auch wenn ich Magenprobleme hatte und aufs Klo musste. Eines Tages ist die Maschine, an der ich gearbeitet habe, kaputt geworden. Man hat mich zum Wächter genommen – Herr Winter ist dort auch gewesen. Sie haben mich auf einen Tisch gelegt und Winter hat befohlen, mich so lange zu peitschen bis der Körper ganz bläulich war. Als die Belästigung zu Ende ging, wurde ich dazu gezwungen, dem Herrn Winter zu danken, dass er zu mir so nett war und mich nicht mehr länger peitschen ließ.“

Während des Aufenthalts im Lager in Czestochowa versuchte Adela zu fliehen. Es hat ihr gelungen das Gelände des Lagers zu verlassen und in ein ländliches Wirtschaftsgebäude zu gelangen. Sie hat dort das Brot gegen einen goldenen Ring gekauft, den sie in ihrem Kleid für eine solche Gelegenheit zugenäht hat. Aber ... sie ist in den Lager zurückgekehrt und hat das Brot mit den Gefährtinnen geteilt. Sie hätten nicht gewusst, wie sie weiterhin draußen überstehen sollten ...

Am Ende, im Januar 1945 (als die Rote Armee schon in der Nähe war), befand sich Adela im letzten Lager – Bergen-Belsen. „Zuerst hat man uns nach Buchenwald in den Güterwaggons – ohne Fenster, ohne Toilette, ohne Essen befördert. Das hat einige Tage gedauert. Als wir nach Buchenwald gekommen waren, waren wir wirklich in einem sehr schlechten Zustand. Hier hatte man uns in einen anderen Zug versetzt und nach Bergen-Belsen verschickt. Nachdem wir dort angekommen waren, mussten wir viele Stunden lang zur Kontrolle Schlange stehen. Im Lager hat es nicht viel zum Essen gegeben und in der letzten Zeit hat es fast kein Wasser gegeben. Man hat mich kurz zum Aushieb des Waldes genommen. Wenn wir unsere Arbeit gemäß den Erwartungen nicht gemacht haben, sind wir geschlagen worden.“

Nach der Befreiung – eine wunderschöne Errettung und die Suche
ohne Ende

„Als wir im April 1945 von den Verbündeten befreit worden waren, war ich in einem so schlechten Zustand, dass ich nicht wusste, was um mich herum passierte.“ Und in der Tat, hat Adela auf einem Haufen der Leichname gelegen. Sie verdankt ihr Leben ihrer jüdischen Mitgefangenen Betty (jetzt nach ihrem Ehemann: Goldberg, wohnhaft im Israel), die von ihr den britischen Soldaten erzählt haben sollte. Adela wurde ins Generalkrankenhaus 81 BR gebracht. Wenn es ihr besser ging, wurde sie am 16-ten Juli 1945 vom Schwedischen Roten Kreuz aus dem Transitzentrum in Lübeck in Deutschland nach Schweden („mit den weißen Bussen“ – die Initiative eines Mitglieds der königlichen Familie, Folk Bernadotte’s) am Schiff „Ronnkaer“ gebracht.

Am nächsten Tag hat Adela Malmö erreicht. Dort hat man sie wegen einer großen Abschwächung im Krankenhaus vier Wochen lang aufgehalten. Später hat man die ganze Gruppe der Geretteten aus Bergen-Belsen in die Ortschaft Baggå als Rekonvaleszenten befördert. Mit einer tiefen Dankbarkeit haben sie ein Angebot der Arbeit in ASEA (zur Zeit ABB) in Västerås angenommen.

Von dieser Zeit an sucht Adela nach ihren Brüdern und ihren Schwestern – wie bisher ohne Erfolg, aber „mit der Hoffnung, die als letzte stirbt“ ... Die Erinnerung an die Geschwister war für sie Stütze in den schrecklichsten Momenten dieser Geschichte und kommt auf sie am Tag und in der Nacht ununterbrochen zurück. Das sind Izak, Gusta, Helena, Regina, Samuel und Amalia Schwarzer (siehe das Photo der Geschwister der Familie Schwarzer unten).

Izak Schwarzer Helena Schwarzer
Izak Schwarzer
geb. 1919
Gusta Schwarzer
geb. 1921
Helena Schwarzer
geb. 1925
     
Regina Schwarzer Samuel Schwarzer Amalia Schwarzer
Regina Schwarzer
geb. 1926
Samuel Schwarzer
geb. 1928
Amalia Schwarzer
geb. 1930

Wir hören nie auf – wir, die schwedische und die polnische Familie von Adela Schwarzer – nach den Spuren dieser Vermissten zu suchen, nach irgendwelcher Information über ihre Schicksale. Wir werden Ihnen für irgendwelche Kontakte dankbar sein.

Geschrieben von Violetta Reder, anhand der Erinnerungen von Adela Schwarzer, die von ihrem Mann Gösta und dem Sohn Jan als auch der eigenen Gespräche mit Adela aufgezeichnet wurden.

E-Mail: adelaschwarzer@hotmail.com

Quellen:
1. BIEBERSTEIN Aleksander, Zaglada Zydów w Krakowie (Judenvernichtung in Krakau) Kraków 1985.

2. DUDA Eugeniusz, The Jews of Kraków, Kraków 1999.
3. KOTULA Stanislaw, Losy Zydów rzeszowskich 1939-1944. Kronika tamtych dni (Die Schicksale der Juden aus Rzeszów 1939-1944. Die Chronik der damaligen Tage), Rzeszów 1999.
4. OSTER Moshe, Gehinom znaczy pieklo (Gehinom means hell), Kraków 2005.
5. PIECH Stanislaw, W cieniu Kosciolów i synagog. Zycie religijne miedzywojennego Krakowa 1918-1939 (Im Schatten der Kirchen und der Synagogen. Das religiöse Leben der Zwischenkriegszeit in Krakau 1918-1939), Kraków 1999.
6. POTOCKI Andrzej, Zydzi w Podkarpackiem (Jews in the Subcarpathian District), Rzeszów 2004.
7. Encyclopedia of the Holocaust (Enzyklopädie des Holocaust), New York 1990. Zit. nach: www.motl.wiesenthal.com